Sklavereiausstellung, Tropenmuseum, Amsterdam

Illustration Amsterdam Tropenmusem Sklavereiausstellung "Heden van het slavernijverleden"
Illustration für die neue Sklavereiausstellung „Heden van het slavernijverleden“ im Amsterdamer Tropenmuseum; Bild: Afterlives of Slavery © Brian Elstak (Green)

2021 jährt sich die Gründung der niederländischen Westindien-Compagnie (WIC) zum 400. Mal. Während des 17. und 18. Jahrhundert war die allprovinziale Aktiengesellschaft ein wichtiger Akteur der atlantischen Handelswelt zwischen Westafrika, Guyana und den Antillen. Über Jahrzehnte hinweg lieferte die niederländische Handelscompagnie Sklaven für das multinationale Plantagensystem der Amerikas.

„Heden van het slavernijverleden“: Sklavereiausstellung im Tropenmuseum

Gleichsam im Vorgriff auf das Jubiläumsjahr 2021 veranstaltet das Amsterdamer Tropenmuseum seit Anfang Oktober eine neue sklavereigeschichtliche Ausstellung. Unter dem Titel „Heden van het slavernijverleden/Afterlives of Slavery“ folgt die Amsterdamer Exposition den historischen Ausgangslagen und Folgewirkungen der Sklaverei innerhalb der niederländischen Kolonial- und Migrationsgeschichte.

Die Geschichte der Versklavten und ihrer Nachkommen

Im Mittelpunkt der Schau: die Versklavten selbst und ihre Nachkommen, die Geschichte ihres Widerstandes, ihrer Emanzipation und ihrer politischen Kämpfe. Schlüsselereignisse wie die curaçaoische Sklavenrebellion unter Tula Rigaud 1795 und die formelle Sklavenbefreiung von 1863 stehen dabei ebenso im Blickpunkt, wie die Nachkriegsmigration von Surinamern und Antillianen in die Niederlande.

Die Sklavereigeschichte in der nationalen Gedenkkultur

Anhand individueller Schicksale sowie zahlreicher Objekte aus den Sammlungen des Tropenmuseums folgt der Blick der Amsterdamer Ausstellung bis in die unmittelbare Gegenwart; hin zu den rezenten Diskussionen der niederländischen Gesellschaft um Rassismus, migrantische Identitäten und die allgemeine Integration der Sklavereigeschichte in die nationale Gedenkkultur. Wichtige Stimmen im aktuellen niederländischen Sklaverei- und Kolonialdiskurs, wie etwa der Historiker Karwan Fatah-Black und die Anthropologin Gloria Wekker, sind in kurzen Videoporträts gleichfalls in der Ausstellung vertreten.

Blackfacing, Kolonialrassismus und der „Zwarte Piet“

Ein besonders symbolträchtiges Ausstellungsstück vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen um das „Blackfacing“ in den Niederlanden: die Schuhrequisite eines Zwarte-Piet-Kostüms. Es stammt von dem niederländischen Fernsehunterhalter Erik van Muiswinkel. Der Kabarettist hatte seine Fernsehrolle als schwarzgeschminkter „Gehilfe“ des Nikolaus, als sogenannter „Hoofdpiet“, nach jahrelanger Kritik im Mai 2016 aufgegeben. Der „Mohren-Knecht“ des Heiligen Nikolaus ist eine Erfindung des niederländischen Kinderbuchautoren Jan Schenkman (1806-1863) aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die rassistischen Kontexte der Figur des „Zwarte Piet“ sind in den Niederlanden immer wieder Anlass für teils heftige Proteste. Dabei spielen auch andere Aspekte der rassistischen Unterhaltungsmaskerade eine Rolle; etwa die Darstellung des „Zwarte Piet“ als dümmlich-ungelenkt und der niederländischen Sprache nicht mächtig.

Neue Ausstellung im Amsterdamer Tropenmuseum 2021

Ganz bewusst wollen die Ausstellungsmacher die Schau „Heden van het slavernijverleden“ auch als Diskussionsplattform für die Zukunft verstehen: in einer als „Presentatie Eiland“ bezeichneten Bereich der Ausstellung erhalten Besucher die Möglichkeit, per Postkarte oder Videobotschaft auf künftige Expositionen Einfluss zu nehmen; im Fokus hierbei eine für das Jubiläumsjahr 2021 geplante Dauerausstellung zur niederländischen Sklaverei- und Kolonialgeschichte, die ebenfalls im Tropenmuseum präsentiert werden soll. Das Amsterdamer Tropenmuseum will sich bei dieser neukonzipierten Schau nach eigenem Bekunden gezielt von traditionelleren Präsentationsformen der kolonialen Geschichte absetzen; die  Ausstellungsräume sollen hierdurch bewusst auch einem jüngeren und diverseren Publikum geöffnet werden.