Wirtschaft der Altkolonier-Mennoniten in Belize

Die Siedlungen der Altkolonier-Mennoniten und anderer traditionalistischer Mennoniten-Gemeinschaften in Belize sind im Wesentlichen landwirtschaftlich geprägt.

Landwirtschaft in den Altkolonier-Siedlungen Belizes

In den wichtigsten Altkolonier-Siedlungen Belizes, Shipyard und Little Belize werden insbesondere Mais, Reis, Bohnen und Sorghum-Hirse angebaut. Daneben spielt auch der Anbau von Tomaten, Melonen, Kartoffeln, Gurken und Paprika eine wichtige Rolle. In der Kolonie Little Belize werden zudem Papayas für den Export angebaut. Auch die Hühner- und Viehzucht (Brahman-Kühe) hat eine wichtige Funktion im wirtschaftlichen Gefüge der Kolonien. Sämtliche landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Altkolonier-Siedlungen werden sowohl zur Selbstversorgung der Kolonie als auch für den Marktverkauf produziert.

Handel und Gewerbe bei den Mennoniten Belizes

Neben der Landwirtschaft sind Altkolonier-Mennoniten auch in anderen Wirtschaftsbereichen tätig. Innerhalb Belizes ist dies etwa die Holzwirtschaft oder die Öl- und Gasförderung in den Mennoniten-Kolonien von Shipyard und Spanish Lookout. Mennoniten sind in der belizischen Holzindustrie beispielsweise als Holzfäller oder in Sägemühlen beschäftigt. Andere Kolonisten verdienen ihren Lebensunterhalt mit kleinen Handwerksbetrieben oder Handelsunternehmen. In der Kolonie Shipyard wird durch Mennoniten am „New River“ zudem Schiffbau betrieben. Hier werden insbesondere kleine Frachtfähren für Belizes Tourismus-Industrie gebaut.

Deutsch-mexikanische oder anglo-mennonitische Geschäftspartner

Intensive Geschäftsbeziehungen bestehen namentlich in die USA, von wo mithilfe deutsch-mexikanischer oder anglo-mennonitischer Geschäftspartner beispielsweise Farmbedarf und Arbeitsgeräte für Viehzüchter regelmäßig importiert werden.

Altkolonier-Migration nach Kanada

Dennoch boten die Siedlungen der Altkolonier in Belize in den letzten Jahren nicht allen Kolonisten ausreichend Arbeit und Einkommen. Viele Altkolonier-Mennoniten sind daher nach Kanada ausgewandert, wo sie relativ leicht Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen erhielten, sich häufig jedoch nur als einfache Saisonarbeiter oder Erntehelfer verdingen konnten. Anstellungen finden sie dabei meist in von Anglo-Mennoniten mit „plattdeutschen“ Familienhintergrund betriebenen Agrar- oder Industrieunternehmen. Auch sich dauerhaft in Kanada niedergelassene Altkolonier-Mennoniten fungieren häufig als Arbeitgeber für ihre aus Belize, Mexiko oder Bolivien einreisenden Glaubensgenossen.

Brückenfunktion für die traditionellen Mennoniten-Kolonien in Belize

Diese dauerhaft oder nur saisonal in Kanada, teils auch in den USA arbeitenden Altkolonier-Mennoniten sichern ihren Familien nicht nur vergleichsweise gute Einkommen, sondern übernehmen auch wichtige Brückenfunktionen für die traditionellen Mennoniten-Kolonien in Belize. Entgegen der häufig verbreiteten Ansicht, Altkolonier-Mennoniten lebten zurückgezogen und weltabgewandt, zwingen die realen wirtschaftlichen Verhältnisse in den Kolonien viele Siedler häufig zu einer erhöhten Arbeitsmobilität und Anpassung.

Preisschwankungen auf den Weltmärkten für Belizes Altkolonier-Mennoniten

Die Anschaffung von Benzin- oder Diesel-getriebenen Arbeitsgerät in der Landwirtschaft, etwa Traktoren, Raupenschlepper oder Motorsägen führte innerhalb der Altkolonier-Siedlungen Belizes einerseits zu einer Expansion ihrer Anbauflächen und zu einer merklich Ausweitung ihrer Verdienstmöglichkeiten; unterwarf sie jedoch auch in stärkerem Maße Preisschwankungen auf den Weltmärkten für Öl oder Agrarerzeugnisse. Dabei ist vor allem zu bedenken, dass Kolonien und Kooperativen der Altkolonier-Mennoniten unmittelbar mit einheimischen oder ausländischen, insbesondere amerikanischen und europäischen Agrarunternehmen konkurrieren müssen. Da der Bestand der Gemeinden eine wesentliche Voraussetzung in der wirtschaftlichen Stabilität ihrer Glieder hat, sind die meisten Altkolonier-Gemeinschaften immer wieder zu Anpassungsleistungen ökonomisch-technischer Art bereit.

Auswanderung und Gründung neuer Altkolonier-Siedlungen

Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in den Kolonien führten unter den Altkolonier-Mennoniten bereits seit den 1960er Jahren auch regelmäßig zu Landkäufen, Auswanderung und zur Gründung neuer Kolonien, insbesondere in Bolivien. Die engen verwandtschaftlichen Beziehungen vieler Altkolonier-Familien bedingen zumindest unter den etwas besser situierten und älteren Mennoniten häufige Reisen zu Verwandten in Mexiko, Bolivien oder in Kanada. Zugleich ist auch vereinzelt das Phänomen zu beobachten, dass ältere und kränkliche Altkolonier-Mennoniten der besseren medizinischen Versorgung wegen zu Verwandten nach Kanada ziehen.

Wirtschaftliche Diversität in Altkolonier-Siedlungen Belizes

Eine wichtige Bedeutung für die Wirtschaftsstruktur der Altkolonier-Mennoniten Belizes hat überdies die Tatsache, dass einzelne Bewohner sowie unmittelbare Nachbarn einer Altkolonier-Siedlung mitunter verschiedenen Gemeinderichtungen angehören können. Dies hat unter Umständen gewisse Auswirkungen auf die wirtschaftliche Diversität einer Siedlung, etwa wenn die Gemeindeordnung einer Filiale der Kleinen Gemeinde den Besitz von Autos, oder Fax-Geräten erlaubt.

Autos, Kutschen und Traktoren bei Altkolonier-Mennoniten

Altkolonier-Mennoniten ist zwar der Besitz von Autos nicht erlaubt, deren gelegentliche Benutzung ist ihnen jedoch unter Umständen gestattet. Im Alltag benutzen Altkolonier-Mennoniten zur Fortbewegung meist von Pferden gezogene kleine Kutschen, die sie „Buggys“ nennen. Ein besonderes Kennzeichen der Altkolonier-Siedlungen von Shipyard und Little Belize sind zudem mit Eisenrädern versehene Traktoren.

Ultrakonservative Mennoniten in Belize

Gegenüber diesen auf eine relativ enge wirtschaftliche Kooperation mit ihrer multi-ethnischen und multi-konfessionellen Nachbarschaft gerichteten Aktivitäten der Altkolonier-Mennoniten sind die ultrakonservativen Mennoniten-Gemeinden von Barton Creek, Pine Hill, Springfield und Green Hills im wirtschaftlichen Bereich stark auf eine Absonderung von der Welt bedacht. So reduziert der völlige Verzicht auf benzin-, diesel- oder strombetriebenes Arbeitsgerät maßgeblich die wirtschaftliche Abhängigkeit der insbesondere auf agrarische Selbstversorgung gerichteten Gemeinden aus dem Umfeld der Alt-Mennoniten und der Altkolonier. Weltverweigerung und rituelle Askese mithilfe eines vergleichsweise reduzierten Lebensstandards bedeutet innerhalb des ultrakonservativen Flügels vielfach auch Markt- und Konsumverweigerung und damit eine stärkere Unabhängigkeit von der Welt.