Start Archäologie Yucatán: Maya-„Traumkraut“ in zeremoniellen Miniaturkeramiken

Yucatán: Maya-„Traumkraut“ in zeremoniellen Miniaturkeramiken

Miniaturkeramik Maya
Halbinsel Yucatán: Frontal- und Seitenansicht einer Miniaturkeramik der Maya (750-900 u. Z.) mit ausgeprägtem Zackenranddekor. Credit: WSU

Forscher in Mexiko und den USA haben erstmalig Rückstände eines mild psychedelisch wirkenden „Traumkrauts“ in Polydrogenmischungen der Maya nachweisen können. Die auch als „Mexikanische Ringelblume“ („Tagetes lucida“) bekannte Rausch- und Heilpflanze war offenbar Bestandteil einer zeremoniell gebrauchten Tabakmixtur der Maya. Der wissenschaftliche Leiter des Forscherteams, der Anthropologe Mario Zimmermann von der Washington State University (WSU), vermutet, dass die Beimischung der „Tagetes lucida“ den Rauch für die Maya bekömmlicher machen sollte.

Miniaturkeramiken als Grabbeigaben der Maya

Rückstände des Maya-„Traumkrauts“ wurden in einer Studie mit 14 zeremoniellen Miniaturkeramiken dieser amerikanischen Hochkultur nachgewiesen. Die auch als „veneneras“ bezeichneten, teils flakonartigen Gefäße stammen aus der Zeit zwischen 250 und 900 u. Z. Sie wurden in den vergangenen Jahren bei archäologischen Grabungen um die mexikanische Stadt Merída auf der Halbinsel Yucatán, dem historischen Siedlungszentrum der Maya, entdeckt. Mutmaßlich handelt es sich um Grabbeigaben.

Studie nutzte neue metabolombasierte Analysemethoden

Bei der Studie kamen unter anderem neuartige, metabolombasierte Analysemethoden zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe lassen sich spezifische Signaturen von Stoffwechselaktivitäten in Pflanzenrückständen nachweisen. Bislang stützte sich die Identifizierung von Pflanzenrückständen, in archäologischen Fundstücken wie Pfeifen oder Gefäßen, auf den Nachweis von Biomarkern, beispielsweise Nikotin; eine gesonderte Unterscheidung, etwa spezifischer Tabakarten, war hierdurch jedoch nicht möglich. Die Miniaturkeramiken wurden durch das internationale Forscherteam auf insgesamt sechs verschiedene psychoaktive Pflanzen hin untersucht, deren Gebrauch in Altamerika historisch verbürgt ist.

Psychoaktive oder nicht-psychoaktive Pflanzen in Altamerika

Von den neuen metabolombasierten Untersuchungsmethoden erhoffen sich die Wissenschaftler weiteren Aufschluss über die Verwendung psychoaktiver oder nicht-psychoaktiver Pflanzen in Nord- und Mesoamerika. Gegenwärtig steht das Forscherteam der WSU in Verhandlungen mit mehreren mexikanischen Museen und Institutionen, um Zugang zu weiteren antiken Fundstücken zu erlangen; auch diese sollen künftig auf polyvalente Mixturen und Pflanzenrückstände analysiert werden können.